Nach langen Verzögerungen begann 1953 mit der Westseite des Altmarkts der Wiederaufbau des zerstörten Dresdner Stadtzentrums. Ein Jahr später folgten die Bauten der Ostseite, deren Baublock auch die in ihrem Verlauf neu gestaltete Weiße Gasse berührte. Zum Jahresende 1956 waren die Gebäude Weiße Gasse 5 und 7 fertiggestellt. Mit einer Innschrift im Schlussstein des Hauseinganges erhielt der Aufbau eine eindeutige Widmung: »JEDER STEIN DER NEUEN STADT TRÄGT UNSICHTBAR DIE LETTERN: FRIEDEN«.
Dem Baustart waren jahrelange Kontroversen um die Symbolik, Funktion und Gestalt des Stadtzentrums vorausgegangen – von den Verantwortlichen der Staatspartei SED als »Klassenkampf« um die »sozialistische Großstadt« verstanden. Die neue politische Ordnung sollte sich auch baulich »kraftvoll zum Ausdruck bringen«, ohne dabei übermäßig auf überlieferte Stadtstrukturen, Architekturtraditionen und Baudenkmale Rücksicht zu nehmen. Ziel war die »Neue Stadt«.
Nach dem Erlebnis der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs entsprach die Friedenswidmung des Aufbaus den Überzeugungen der großen Mehrheit der Überlebenden: »Wann immer wir unter den vielen Entbehrungen und Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre litten« erinnerte sich die 1931 geborene Nora Lang, »trösteten wir uns gegenseitig: Hauptsache kein Krieg!« Demonstrativ warfen Angehörige der Freien Deutschen Jugend 1946 die Waffen des Heeresmuseums auf den Schrott: »Nie wieder Krieg!«
An die Friedenssehnsucht der Bevölkerung konnten auch die Propagandisten des sozialistischen Gesellschaftsprojekts DDR anschließen: Mit dem Selbstbeschreibung als Friedensstaat grenzte man sich demonstrativ von der als neuerlicher »Kriegstreiber« behaupteten westdeutschen Bundesrepublik ab. Im Aufruf zum 13. Februar 1956 bezeichnete Oberbürgermeister Weidauer die DDR »als Bastion des Friedens und des Fortschritts«, warb jedoch gleichzeitig für den Aufbau der Nationalen Volksarmee, deren Waffen »der Festigung des Friedens dienen« würden. Bereits 1952 hatte die DDR mit der Wiederaufrüstung begonnen. Gegen die Ablehnung der Bevölkerungsmehrheit begannen aggressive Rekrutierungskampagnen, um Freiwillige für die Streitkräfte zu gewinnen.
After long delays, the reconstruction of Dresden’s destroyed city centre began in 1953 with the west side of the Altmarkt. A year later, the buildings on the east side followed, whose construction block also touched on the redesigned Weiße Gasse. By the end of 1956, the buildings at Weiße Gasse 5 and 7 were completed. With an inscription in the keystone of the entrance to the building, the construction was given a clear dedication: ‘EVERY STONE OF THE NEW CITY CARRIES THE LETTERS INVISIBLY: PEACE’.
The start of construction was preceded by years of controversy over the symbolism, function and design of the city centre – understood by those in charge of the state party SED as a ‘class struggle’ for the ‘socialist city’. The new political order was also to be ‘powerfully expressed’ in architectural terms, without taking excessive account of traditional urban structures, architectural traditions and architectural monuments. The goal was the ‘new city’.
After experiencing the catastrophe of the Second World War, the peace dedication of the reconstruction corresponded to the convictions of the vast majority of survivors: ‘Whenever we suffered from the many hardships and difficulties of the post-war years,’ recalled Nora Lang, born in 1931, ‘we comforted each other: the main thing was no war!’ In 1946, members of the Free German Youth demonstratively threw the weapons of the Army Museum on the scrap heap: ‘No more war!’
The propagandists of the GDR’s socialist social project were also able to tap into the population’s longing for peace: By describing themselves as a peaceful state, they demonstratively set themselves apart from the West German Federal Republic, which they claimed was a new ‘warmonger’. In the appeal on 13 February 1956, Mayor Weidauer described the GDR ‘as a bastion of peace and progress’, but at the same time promoted the establishment of the National People’s Army, whose weapons would ‘serve to consolidate peace’. The GDR had already begun rearmament in 1952. Against the opposition of the majority of the population, aggressive recruitment campaigns began to attract volunteers for the armed forces.
MEMORARE PACEM Gesellschaft für Friedenskultur e.V.